Nachforschungen über das Schützenwesen in Wehrheim und Umgebung in Bezug auf verwertbare Traditionen für unseren Verein mit einer komprimierten Zusammenfassung der Historie des Schützenwesens

 

Ein tiefer Sinn wohnt in den alten Bräuchen,
Man muß sie ehren.

Friedrich Schiller

 

Vorwort

Der Duden definiert Tradition als „etwas, was im Hinblick auf Verhaltensweisen, Ideen, Kultur o.Ä. in der Geschichte, von Generation zu Generation innerhalb einer bestimmten Gruppe entwickelt und weitergegeben wurde und weiterhin Bestand hat.“ Im DSB haben sich die Verantwortlichen expressis verbis zur Bewahrung der Tradition,Kultur und Bräuchen des Deutschen Schützenwesens bekannt und bezeichnen diese als „Dritte Säule“ des Verbandes, neben Bogen- und Sportschießen. Vor diesem Hintergrund definiere ich die Bewahrung und Förderung von Bräuchen und Traditionen im Verein als Aufgabe und Auftrag des Traditionswartes. Es gilt die bisher im Verein praktizierten Traditionen (z.B. das Königsschießen u.a.) konsequent zu erhalten und den Mitgliedern die Bedeutung dieser Rituale zu verdeutlichen. Sie sind wichtige, historisch gewachsene und lebendige Teile der regionalen, lokalen und landesweiten Identität, die sich über viele Jahrhunderte im Schützenwesen und über Jahrzehnte in unserem Verein kontinuierlich entwickelt und bis heute erhalten haben. Ein Verzicht darauf oder eine Vernachlässigung sollte daher nie hingenommen werden. Da das Traditionsbewusstsein bei den Mitgliedern unterschiedlich ausgeprägt ist, ist hier weiterhin Handlungsbedarf erforderlich. Es muss verdeutlicht werden, dass Traditionspflege genau den gleichen Stellenwert hat wie die sportlichen Aktivitäten und dass die Teilnahme an Vereinsveranstaltungen Ehrensache ist.Die Erhaltung unserer Traditionen ist kein Ausdruck eines unbeweglichen, dogmatischen Traditionalismus, sondern fördert den Gemeinsinn und begünstigt den dynamisch fortschreitenden Prozess der Weiterentwicklung des Sportlers und dessen mentale Stärke durch das Bewusstsein, einer starken Gemeinschaft anzugehören. Die Traditionen müssen daher auch nicht auf den „Prüfstand“, da sie in keiner Hinsicht den Sport negativ beeinflussen und auch keine politischen Indoktrinationen beinhalten oder denen Vorschub leisten.

Schützenvereine gehören zu den Institutionen, die teilweise auf einer in der Historie weit zurückreichenden Tradition aufbauen können. Trotz mancher Widrigkeiten im Laufe der Jahrhunderte, weisen viele Schützengesellschaften und -vereine ihre Ursprünge bis in das Mittelalter nach. Nachvollziehbar ist daher der Wunsch vieler Vereine ein möglichst frühes Gründungsdatum zu dokumentieren, um auf lange Traditionen hinweisen zu können. Aber hier ist Vorsicht geboten. Nicht jeder Nachweis ist historisch belastbar und man sollte vermeiden, den Wunsch nach einer langen Geschichte zum Vater der Nachweise zu machen, wobei dann die patriotische Betrachtung der Vereinsgeschichte das Geschichtsbild verfälscht. Viele Vereine waren beseelt von der Vorstellung, weit zurück liegende Hinweise auf Gründungsdaten für sich zu reklamieren, was bei realistischer Betrachtung - sehr zur Enttäuschung der Protagonisten - korrigiert werden musste. Dies habe ich sorgfältig vermieden. Ich bin natürlich kein Historiker, habe aber im Rahmen meiner Möglichkeiten versucht, etwas Licht in die etwas nebulöse und nur auf Hörensagen basierende Geschichte des Schützenwesens in Wehrheim zu bringen.

Um die Bedeutung der Traditionspflege für die Schützenvereine zu verdeutlichen, bin ich in der Geschichte des Schützenwesens weit zurückgegangen und habe versucht, eine komprimierte Darstellung der Entstehung des Schützenwesens (und damit unserer Traditionen) zu verfassen, ohne zu sehr ins Detail zu gehen, was auch den Rahmen dieses Memorandums sprengen würde. Ich hoffe aber, dadurch mehr Verständnis für die Traditionen im Schützenwesen zu wecken, da dessen Geschichte vielen allenfalls nur in Fragmenten bekannt sein dürfte aber eigentlich jedem Schützen geläufig sein sollte. Denn nur das Wissen über die Vergangenheit weckt Verständnis für unsere Traditionen.

Ferner habe ich versucht den geschichtlichen Hintergrund Wehrheims und Umgebung mit einfließen zu lassen, um einen eventuellen Kontext zum Wehrheimer Schützenwesen herzustellen.

 

Wehrheim, im Juni 2020

 

Grund/Anlass

Der Schützenverein Diana Wehrheim wurde bekanntlich im Jahre 1968 gegründet. Wie von den älteren Mitgliedern und auch den Gründungsmitgliedern berichtet wurde, liegen keine Dokumente oder sonstige Unterlagen über einen früheren Schützenverein vor. Ich habe daher versucht die Geschichte des Schützenwesens vor Gründung unseres Vereins in Wehrheim und Umgebung zu erforschen um die Bedeutung für unseren Verein zu verifizieren. Anlass war ein Gespräch mit Schützenbruder Günter Jäger anlässlich eines von ihm initiierten „Bürgerschießens“, bei dem leider eine nur sehr überschaubare Beteiligung zu verzeichnen war. Um den Schießsport für die Bürger Wehrheims attraktiver zu machen und unseren Verein als Sportinstitution und bedeutender Einrichtung im sozialen Gefüge unseres Ortes zu festigen, zu fördern und zu stärken, könnten solche Veranstaltungen mitAnknüpfung an eventuell vergessene Traditionen oder an einen hier ehemalig vorhandenen Schützenverein fördern und hilfreich sein. Das „Bürgerschießen“ könnte daher nach eingehender Reflexion zur einer anerkannten Veranstaltung werden. Es ist unstrittig, dass es zur Zeit schwierig ist die Attraktivität eines Schützenvereins zu vermitteln, angesichts der kritischen medialen und politischen Fokussierung auf unseren Sport, die einen bis ins Prinzipielle reichenden Antagonismus befeuert. Diese Entwicklung ist für uns Schützen und unseren Verein eine Herausforderung. Vor diesem Hintergrund sagte ich eine Nachforschung zu, noch bevor ich das Amt des Traditionswartes übernahm.

Wir können ja durchaus – trotz der relativ jungen Existenz des Vereins – schon auf bemerkenswerte Traditionen mit Stolz verweisen, die im Verein erarbeitet wurden. In diesem Zusammenhang erwähne ich nur unsere Vatertagsveranstaltung, das Vergleichsschießen der örtlichen Vereine, unser Königsschießen mit Königsfeier, das Sommernachtsfest, die Weihnachtsfeier, den Wandertag, den Damenausflug und das Skatturnier. Außerdem die aktiven Kontakte zur Leichtathletiksparte der TSG mit der bereits zweimal stattgefundenen Veranstaltung des Sommer-Biathlons. Dazu kommen diverse interne Treffen und Vergleichsschießen. Alle Aktivitäten hatten und haben eine sehr positive Außenwirkung und bereits einen traditionellen Charakter!

Weiterhin darf ich unsere Verbindungen nach Frankreich, Eisenberg und Gifhorn in Erinnerung bringen. Diese sind im Bewusstsein der Mitglieder fast alle in Vergessenheit geraten aber es existieren noch Kontakte, die bei Bedarf wieder aktiviert werden könnten. Der Verein hat sich aktiv in der Deutsch-Französischen Aussöhnung engagiert. Hier bestehen immer noch intensive familiäre Bindungen, die vielleicht als Basis benutzt werden könnten, neue Kontakte durch junge Mitglieder zu aktivieren, auch unter Einbeziehung von Wehrheimer Bürgern, die nicht Mitglied im Verein sind, wie es auch in der Vergangenheit bereits praktiziert wurde. Auch an das Engagement während der Deutschen Wiedervereinigung mit den Schützen aus Eisenberg sei erinnert. Man kann daher festhalten, dass in unserem jungen Verein schon bemerkenswerte Traditionen, Rituale und vieleInitiativen ihren Platz gefunden haben und positive Ergebnisse zeitigten und zeitigen. Dies gilt es zu erhalten.

 

Frühe Historie / Hinweise

Die Entwicklung des Schützenwesens reicht in der Geschichte weit zurück und ist nicht auf Deutschland begrenzt. Auf antiken Artefakten (Ägypten/Griechenland) sind zweifelsfrei Darstellungen vom Bogenschießen auf Zielscheiben oder ähnlichen Gegenständen festgehalten. Ob auch Schießwettkämpfe bei den antiken olympischen Spielen eine Rolle gespielt haben, konntenicht nachgewiesen werden. Der griechische Dichter Homer berichtet allerdings schon von einem Vogelschießen, dass der griechische Held Achilles zu Ehren seines toten Freundes Patroklos während des Trojanischen Krieges veranstaltet haben soll. Den Ablauf beschreibt Homer detailliert, bis hin zu den ausgesetzten Preisen. Ebenfalls ist in Vergils Aeneis zu lesen, dass der König Aeneas seinen Vater Anchises auf die gleiche Art ehrte. Wenn sich die Teilnehmer aus vielleicht religiösen Gründen zu solch einem Vergleich trafen, war es doch auch immer ein Wettkampf. Ob diese antiken Schießveranstaltungen auf die Entwicklung der mittelalterlichen Schützengilden Einfluss hatten, ist umstritten und auch nicht nachweisbar. Die früheste Nachricht von Schießwettbewerben innerhalb des mittel- und nordeuropäischen Kulturbereiches kommt aus Uppsala in Schweden, wo sie erstmals im 11. Jahrhundert im Rahmen eines Maifestes erwähnt werden. Somit kann man aber durchaus sagen, dass der Schießsport eine der ältesten Sportarten der Welt ist.

 

Das Deutsche Schützenwesen

Das Deutsche Schützenwesen ist bis in das frühe Mittelalter nachweisbar. Die älteste Deutsche Schützengesellschaft ist die „Aachener Karlsschützengilde gegr. vor 1198 e.V.“, die zumSchutze der Freien Reichsstadt Aachen und im Besonderen der damaligen Pfalzkapelle, dem heutigen Aachener Dom, vor dem Jahre 1198 gegründet wurde. Ihr genaues Gründungsdatum ist zwar nicht belegt, doch wird nicht ausgeschlossen, dass die Gründung noch zu Zeiten Karls des Großen erfolgt sein könnte. Es bestehen unter Historikern und Forschern unterschiedliche Meinungen, woraus das Schützenwesen hervorgegangen ist. Sie reichen von der Verschmelzung der Traditionen von Frühjahrsfeierlichkeiten und kirchlichen Festen mit den Veranstaltungen der Schützen bis zu der Entwicklung der Gilden aus kirchlichen Bruderschaften. Es gibt heute noch Schützenbruderschaften, die ihr Bestehen auf ein Gelöbnis in Pestzeiten zurückführen, wie zum Beispiel die „Fabian- und Sebastianbrüder“ in Coesfeld, die „St. Antoni-Bruderschaft“ in Nottuln und andere. Einige religiöse Bestimmungen wurden übernommen, doch die generelle Herkunft der spätmittelalterlichen Schützengesellschaften aus rein kirchlichen Fraternitäten ist nicht bewiesen. Auch ist nicht erwiesen, das die Schützengesellschaften nur aus den mittelalterlichen Gilden entstanden sein sollen. Die Schützen bedienten sich aber der Gildenform um ihrer eigenen Zweckbestimmung einen funktionierenden Rahmen zu geben. Auch gliederten sie sich Kaufmannsgilden oder den immer bedeutender werdenden Zünften an. Die Schützengesellschaften sollen hauptsächlich aus der Verteidigungsnotwendigkeit der Städteentstanden sein und genossen größtes Ansehen in den Orten. In Kriegszeiten aber wurdenalle wehrfähigen Männern zur Verteidigung des Ortes verpflichtet. In meinem Herkunftsort Bückeburg in Niedersachsen findet z.B. heute noch alle zwei Jahre ein Bürgerschießen/Schützenfest des „Bürgerbataillons“ mit dem örtlichen Schützenverein statt,an dem alle Bürger der Stadt teilnehmen können (früher mussten). Die Ursprünge dieses Bürgerbataillons gehen bis ins Jahr 1609 zurück. Es gibt aber auch Autoren und Historiker, die die Verteidigungsbestimmung als originäre Aufgabe der Schützengilden bestreiten und behaupten, dass im Normalfall der Ordnungs- Polizei- und Verteidigungsdienst von fest angestellten Stadtschützen wahrgenommen wurde und somit der Schutztheorie der Schützengilden als Wehrverbände die Grundlage entzogen sei. Ich neige eher der ersten Einschätzung zu, da auch die Schützengesellschaften in Bayern, der Schweiz, Österreich, Süd-Tirol, Flandern, Frankreich und den Niederlanden eindeutig mit Aufgaben der Landes- undOrtsverteidigung beauftragt waren.

Auch kann man die politischen Strukturen des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ nicht außer acht lassen, die letztendlich einen erheblichen Einfluss auf die Schützengesellschaften hatten. Der Kaiser hatte keine absolutistische Macht und war auf die ihn wählenden aber feudalistisch herrschenden Kurfürsten und Erzbischöfe sowie die im Reichstag vertretenen Stände angewiesen. Eine permanent komplizierte Situation, vor allem in Kriegszeiten, denn der Kaiser verfügte über kein stehendes Heer und war zur Aufstellung der Truppen auf die Fürsten, Erzbischöfe und Stände angewiesen, die ebenfalls nicht oder selten über stehende Heere verfügten und dann auf die Schützengesellschaften und -gilden zurückgriffen. Die benötigten Soldaten waren ja noch nicht „kantoniert“ oder in einer militärischen „Dislokationsliste“ erfasst, wie es dann später in Preußen unter Friedrich Wilhelm I. und seinem Sohn Friedrich II. der Fall war. Auch Friedrich der I. von Preußen griff schon auf die Schützengesellschaften zum Schutz des Landes zurück und förderte sie, da er z.B. große Truppenkontingente Kaiser Leopold I. für den spanischen Erbfolgekrieg ab 1701 zur Verfügung stellen und seine Soldaten entbehren musste. Auch sein Vater der „Große Kurfürst“ Friedrich Wilhelm griff sowohl im 30-jährigen Krieg als auch im zweiten „Nordischen Krieg“ (1655– 1660) auf die Schützengilden zum Schutz der Kurmark und der weiter weg liegenden Grafschaft Mark am Niederrhein zurück, um verlässliche Milizen aufzustellen und so aus den „ungeschulten Haufen“ der verpflichteten Normalbürger mit Hilfe der Schützengilden eine ernstzunehmende Truppe zu formen.

Regionalfürsten konnten auf die Schützengesellschaften zurückgreifen, zu denen sie häufigeine enge Beziehung pflegten und die auch von ihnen teilweise stark gefördert wurden. Dies wird sehr deutlich und ist dokumentiert in der Beziehung der hessischen Landgrafen zu der „Bad-Homburger Schützengesellschaft“. Die Landgrafen Georg I. von Hessen-Darmstadt sowie sein Sohn Landgraf Friedrich I., die sich sogar in die Satzungsstruktur einmischten, hatten großen Einfluss auf den Verein. Alle Landgrafen in Folge standen als Mitglieder und Förderer an der Spitze der Gesellschaft. Landgraf Friedrich II. erneuerte die Statuten mehrfach und war ein besonders großer Gönner des Vereins. Er nahm an allen Feiern der Gesellschaft teil und stiftete häufig Geld und andere Preise für die Schießwettbewerbe. Dies dokumentiert die enge Verbindung zwischen der „Obrigkeit“ und den Schützen. Die Schützengesellschaften und -gilden genossen ein hohes Ansehen sowohl in der Bevölkerung, als auch in den herrschenden Häusern. Sie waren keine Soldaten aber ein wichtiger Teil der Gesellschaft und im Bedarfsfall eine „treffsichere“ Ergänzung zum Schutz des jeweiligen Landes.

Wie die Integration der Schützen in militärische Verbände erfolgte, kann man sehr gut in der Chronik des Usinger Schützenvereins nachlesen. Ab 1605 (Ludwig II. von Nassau-Weilburg) ist dokumentiert, dass die Usinger Schützengilde immer wieder in militärische Einheiten eingegliedert wurde. So auch zuletzt im Herzogtum Nassau in das Landsturmbataillon Usingen, dessen Banner im Stadtmuseum Usingen ausgestellt ist. Dieses Bataillon wurde aufgrund des preußischen „Landsturm-Ediktes“ von 1813 gegründet und in der Völkerschlacht bei Leipzig und in Waterloo eingesetzt. 

  

Eines war aber in allen Schützengilden und Schützengesellschaften gleich. In jeder Schützengilde und -gesellschaft war der Bruderschaftsgedanke fest verankert.  Karitative, soziale und religiöse Verpflichtungen waren in den Satzungen enthalten, wie  man z.B. in der Gründungsakte von 1598 der Schützengilde Freiburg, Kreis Stade lesen kann:

„tho wolfahrt und Heyl unseres negsten“.

Dies schloss die Ehre des letzten Geleits ebenso mit ein, wie die materielle Hilfe für die Hinterbliebenen. Dieser Bruderschaftsgedanke hat sich bis heute in der Anrede mit Schützenschwester und Schützenbruder erhalten. In Schieß-Clubs und Schießsport-Vereinen ohne Bindung an den DSB, die sich der Tradition und Geschichte des Deutschen Schützenwesens nicht verpflichtet fühlen, finden wir diese Anrede nicht. 

Es ist schon erstaunlich, wie sich die Schützengesellschaften und -gilden über die Jahrhunderte erhalten haben, bis sie im DSB eine Heimat fanden und in den jetzigen Schützenvereinen weiterleben. Dabei war deren Existenz bei manchen Regionalfürsten nicht immer unumstritten. Vielleicht lag es an dem selbstsicheren Auftreten der Schützen, deren Ritualen und Schießkünsten, die manchen Herrscher misstrauisch werden ließ. Dies äußerte sich darin, dass manchmal das Vogelschießen als „heidnischer Aberglaube“ verboten wurde oder die Waffen teilweise konfisziert wurden. In Köln ließen die Behörden in der frühen Neuzeit nicht mehr als 25 Schützen in Waffen zusammenkommen, bei 22 registrierten Schützengilden in den Augen der Verantwortlichen eine wohl notwendige Maßnahme. Auch in Hessen war das Verhältnis zwischen Schützen und Obrigkeit nicht immer ungetrübt. Als 1498 in Butzbach die Schützen dem Bürgermeister den Schießstandschlüssel zurStandinspektion verweigerten, wurde der Streit erst beigelegt, als die Behörde drohte den Schützen den Schießwein zu sperren. Davon abgesehen erfreuten sich die Schützen in allen Landesteilen umfangreicher Privilegien, bis hin zu Sonderrechten in Notzeiten und der Ausübung von Jagd- und Fischereirechten. Das Selbstvertrauen und das Selbstbewusstseinder Schützen äußerte sich auch darin, dass sie sich schon sehr früh eigene Satzungen und Regeln gaben. Manchmal wurden die Statuten auch vom Rat der Stadt vorgegeben oderwaren von einer Genehmigung abhängig, um die Schützen unter Kontrolle zu haben. So die Görlitzer Schützenordnung von 1615, die auch einige kuriose Artikel enthält:



Artikel 1Zum einen sollen auch schamlose Zoten und Possen auf den Schießhäusern und unter der Gesellschaft gänzlich verboten sein – bei Strafe 15 Groschen.“

Artikel 6Zum sechsten, da auch einer freventlich Faustrecht brauchte, soll ohne Gnade der Bruderschaft 4 Schock Geldes verfallen sein.“

Artikel 8Zum achten, welcher auch bei Schützen und in ihrer Zusammenkunft einen bösen Gestank von sich gehen lässet oder ihnen zu nahe und nicht in gehörigem Ort sein Wasser abschlaget, soll allemahl 6 Groschen Strafe gäben.“

Und in den Benimmregeln der „Lingener Kivelingschützen von 1786“ war verboten:

auf dem Rathaus zu trinken (§ 2), außerhalb des Rathauses zu tanzen (§10), ohne Erlaubnis Bier zu zapfen (§12), mutwillig Pfeife zu rauchen (§3) und Frauenspersonen unziemlich anzutasten (§8).“

Auch der tiefgreifende politische und gesellschaftliche Wandel vom Mittelalter bis in die Neuzeit hat nicht zur Beeinträchtigung des Schützenwesens geführt. Man muss sich die geschichtliche Dimension einmal vor Augen führen. Angefangen von den mittelalterlichen Strukturen über den Beginn der Renaissance im 15. Jahrhundert, was eine Änderung der bisher von der Kirche bestimmten Weltsicht bedeutete. Dann die frühe Neuzeit, also zwischen Reformation und französischer Revolution mit der einsetzenden Aufklärung. Auch der durch die Reformation einsetzende Konfessionalismus hatte auf die Schützengildenkeinen bekannten negativen Einfluss.  

Der sich bereits vor der Reformation bildende „Stadtrepublikanismus“ mit gewähltenBürgerausschüssen in den Land- und Reichsstädten, später unter Einbeziehung protestantischer Strukturen (ab 1525), kontrollierte das Stadtleben und vertrat die Stadtinteressen auch gegenüber dem Landesherrn. So regierte zum Beispiel in Lemgo ein von den Bürgern gewählter „Großer Rat“, der in der dritten „Fraktion“ des Regierungsgremiums die Offiziere der Schützengilde integrierte. Diese gewählten Offiziere waren die Spitze der Lemgoer Bürgermiliz.

 

Bauernkriege(1524 - 1526)

Inwieweit die Schützengesellschaften oder -gilden in die Bauernaufstände verwickelt waren, lässt sich nicht genau feststellen. Auch in zahlreichen Städten (Frankfurt am Main mit dem Frankfurter Zunftaufstand, Nürnberg, Mühlhausen, Würzburg) kam es zu Unruhen, da viele Städte mit den Bauern sympathisierten. Bestenfalls die städtischen Kontingente mit den Schützengesellschaften, die sich den Bauern angeschlossen hatten, verfügten über Erfahrung im Umgang mit Feuerwaffen. Nur in den Städten bestand in den Schützengesellschaften Gelegenheit zu regelmäßiger Waffenübung. Die überlebenden Aufständischen fielen nach dem Krieg automatisch in Reichsacht und verloren damit alle Rechte und Privilegien und waren somit vogelfrei und die Anführer wurden mit dem Tode bestraft. Teilnehmer und Unterstützer der Aufstände mussten die Strafgerichte der Landesherren fürchten, die erst jetzt begannen und zum Teil sehr grausam waren. Ob die Schützengesellschaften davon direkt betroffen waren, lässt sich nicht feststellen. Jedenfalls ist von einer Auflösung der Gesellschaften und Gilden nach den Aufständen nichts bekannt.

 

Der „Dreißigjährige Krieg“

Bereits Mitte und Ende des 16. Jahrhunderts war die Allgemeinheit im „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“ durch zahlreiche kriegerische Auseinandersetzungen und Seuchen stark in Mitleidenschaft genommen worden. Neben dem schon erwähnten Bauernkrieg gab es zahlreiche andere Konflikte, wie z.B. den Schmalkaldischen Krieg, den langen Türkenkrieg, den Truchsessischen Krieg und zahlreiche Erbfolgekriege. Daneben belasteten zahlreiche „Pestwellen“ die deutsche und europäische Bevölkerung in erheblichem Maße.

  

Sieht man einmal von den prachtvollen Schützenfesten der großen Städte und der Landesherren ab, so bietet das Schützenwesen gegen Ende des 16. Jahrhunderts und erst recht im 17. Jahrhundert ein ziemlich trostloses Bild. Die beschriebene Situation stürzte die Menschen in tiefste Armut und Not. Ständige Kriegsnot und Seuchen motivierten die ausgemergelten Menschen nicht zu lustigen Schützenfesten. Den Rest besorgte der furchtbare Dreißigjährige Krieg. Die Bevölkerung reduzierte sich von 16 auf 10 Millionen. Privilegien und Vermögen gingen verloren und mit diesem Verlust auch die Attraktivität der Schützengesellschaften.

Trotz allem hat das Deutsche Schützenwesen auch diese Zeit überstanden.

Das Königsschießen

Der Höhepunkt eines jeden Schützenjahres war das Königsschießen im Rahmen eines Schützenfestes, das sich in früheren Zeiten bis zu zwei Wochen hinzog, bis man es dann auf zwei bis drei Tage begrenzte. Ein bedeutendes Fest und das gesellschaftliche Ereignis des Jahres schlechthin. Es wurde hierbei meist auf einen hölzernen Vogel geschossen und zwar auf einen Papagei. Warum auf einen Papagei, ist bis heute nicht geklärt. Der Vogel wurde dabei auf einer Stange befestigt, die bis zu 30 Metern hoch war. Später wurde der Papagei durch andere Vögel abgelöst, bis man zum Schluss beim Adler blieb. Auch wurde auf einfache Ringscheiben geschossen oder bemalte Königsscheiben, auf denen ein Vogel dargestellt war. Dies wurde in jeder Gesellschaft individuell festgelegt. Der Schützenkönig war in der Regel von allen kommunalen Abgaben (Steuer) und sonstigen Diensten befreit und bekam noch einen Geld- oder Sachpreis überreicht. Häufig übernahm der Rat der Stadt die Kosten für das Königsfestessen, da sich sonst der Gewinner finanziell ruiniert hätte. Aber es bedeutetefür ihn immer noch eine hohe pekuniäre Belastung. Trotzdem war die Königswürde eine derartbegehrte Trophäe, dass auch Mogeleien nicht ausblieben. 

Das Freischießen

Auf den von den Schützengesellschaften durchgeführten Königsschießen waren nur Mitglieder und Ehrengäste zugelassen. Hingegen war bei den Freischießen, die von den Städten oder Landesherren durchgeführt wurden, jeder - nach Entrichtung eines Geldbetrages - zugelassen. Diese seit dem Spätmittelalter abgehaltenen Ver-anstaltungen übertrafen an Prachtentfaltung und Kosten, die die Städte oder Landesherren trugen, alle anderen Feste. Auch erhebliche Preise wurden ausgesetzt. In Straßburg nahmen z.B. im Jahre 1576 an einem Freischießen 372 Bogenschützen und eine unbekannte Zahl Büchsenschützen teil. Der erste Preis war sowohl bei den Bogen- wie auch den Büchsenschützen auf je 105 Reichsgulden festgesetzt und die nachfolgenden Preisträger erhielten nach unten gestaffelt jeweils 10 Gulden weniger. Für damalige Zeiten waren das astronomische Summen. Ebenso war der Ablauf 1582 in Frankfurt am Main. Unterkunft und Verpflegung übernahm selbstverständlich der Veranstalter. 

Die Freischießen waren echte Volksfeste, an denen sich auch der Adel beteiligte, wobei die Standesunterschiede an dem Feste nicht galten. Zu den Schießwettbewerben kamen noch sportliche, wie Lauf-, Sprung- und Wurfwettbewerbe hinzu, bei denen sich z.B. Kurfürst Philipp von der Pfalz (1476-1508) und Herzog Christoph von Bayern (1449-1493) auszeichneten. Allerdings wird vom großen Schießen in Augsburg berichtet, dass „kain ehrbare Frau“ an diesen Wettläufen teilnahm. In Frankfurt am Main ließ der Rat zur Ergötzung der Schützen 1582 die Prostituierten der Stadt um die Wette laufen. Dergleichen „Vergnügen“ wurde auch in kleineren Städten gepflegt. Von Prüderie konnte damals wohl keine Rede sein. In der westfälischen Stadt Minden wird ein jährliches Freischießen seit 1682 bis heute veranstaltet (allerdings ohne Wettläufe, wie ich erfahren habe).

 

Die Kleidung der Schützen

Im Allgemeinen wird bei der Schützenkleidung auf die grüne Farbe verwiesen. Das war aber nicht immer so. Im späten Mittelalter wurde die bunte Kleidung bis hin zu grotesken Übertreibungen bevorzugt. Besonders in den Niederlanden war farbenfrohe und ausschweifende Kleidung sehr beliebt. Teilweise, wie z.B. in Amiens (rot/weiß) und anderen französischen Städten (Beauvais/Rouen) wurde die Schützen angewiesen, ihre Schützenkleidung in den Stadtfarben zu tragen. In Middelburg (Niederlande) befreite der Rat der Stadt erst 1561 die Schützen von der Verpflichtung bunte Ärmel an den Röcken zu tragen. Auch die Kirche mischte hier fröhlich mit, die Kombinationen in rot/weiß/violett vorgab. Erst mit der Reformationszeit trat hier ein Wandel ein. Aber man konnte noch im 19. Jahrhundert die katholischen von den protestantischen Schützengilden an der farbenfrohen Kleidung unterscheiden. 

Im 17. und 18. Jahrhundert trug man den „Kogel“ oder „Kovel“, einen Umhängemantel mit Kapuze (Kogelbrüder). In späteren Zeiten wurde der schwarze Gehrock mit Zylinder getragen. Viele Schützen in Nord- und Westdeutschland tragen auch heute noch diese Kleidung, wie z.B. in Minden, Bückeburg, Hildesheim, Hannover und anderen Orten. 

Im 19. Jahrhundert ging man mehr zu Uniformen militärischen Zuschnitts über, doch erinnern diese Kleidungsstücke mit dem dazugehörigen Hut eher an eine süddeutsche Tracht oder die Anzüge von Jägern. Heute hat sich in den meisten Schützenvereinen die grüne oder auch graue Uniform durchgesetzt.

Eine Schützengesellschaft in Wehrheim?

Es stellte sich mir natürlich die Frage, ob es möglich ist an eine in Wehrheim eventuell früher bestandene Schützengesellschaft oder -gilde traditionell anknüpfen zu können. Hierzu musste ich erst einmal etwas tiefer in der Geschichte Wehrheims nachforschen.

Wie man der „Wehrheimer Chronik“ (Dr. Johanna Koppenhöfer) entnehmen kann, hatten die Wehrheimer durch die Teilung zwischen dem katholischen Kurtrier und dem evangelischen Nassau im dreißigjährigen Krieg (1618-48) unter den Auseinandersetzungen zwischen der evangelischen Union und der katholischen Liga sehr zu leiden. Beide Seiten betrachteten das Wehrheimer Gebiet und die Ortschaft als feindliche Region. Alle durchziehenden Truppen, egal welche, mussten auf Kosten der Wehrheimer Bürger einquartiert und verpflegt werden. Zusätzlich wurden von beiden Landesherren Kriegskontributionen eingezogen. Die Bürger waren der Willkür und den Grausamkeiten der Truppen ausgesetzt, dazu kamen Missernten in den folgenden Jahren. Viele starben an Hunger und Entkräftung. Die Bürger Wehrheims waren finanziell völlig ausgeblutet. Vielleicht ist dies der Grund, dass im Ort keine Schützengesellschaft gegründet wurde. Man hatte nach dem 30-jährigen Krieg andere Dinge zu klären und befasste sich u.a. nach dem Friedensschluss 1648 z.B. intensiv mit Hexenprozessen, denen in Wehrheim allein von 1652 bis 1687 insgesamt 25 Personen aus Wehrheim und Anspach (Anspach gehörte damals noch zu Wehrheim) zum Opfer fielen, ohne die unbekannte Zahl der Hingerichteten aus den 1630er Jahren. Auch wird der Kampf um die wirtschaftliche Existenz eine große Rolle gespielt haben. 

Dem Geschichtsverein ist über eine Schützengilde oder Schützengesellschaft in Wehrheim auch nichts bekannt. Ebenfalls sind meine Nachforschungen darüber im Kreis- und Staatsarchiv ergebnislos gewesen. Eine Schützengesellschaft oder Schützengilde hat also in Wehrheim nach den momentanen Erkenntnissen nicht existiert. Dennoch konnte ich Schießwettbewerbe in Wehrheim und in den umliegenden Ortschaften im Kreisarchiv Bad-Homburg ermitteln, ebenso die Aktivitäten eines auch von Koppenhöfer erwähnten Kriegervereins, der auch in Gesprächen mit den Altvorderen immer mal wieder zur Sprache kam.

Um den Unterschied zwischen den Schützengesellschaften und den Kriegervereinen zu verdeutlichen, habe ich mich etwas intensiver mit den Kriegervereinen beschäftigt. Um es vorweg zu nehmen, Kriegervereine sind keine Schützenvereine im traditionellen Sinne. Schießveranstaltungen der Kriegervereine hatten immer einen militärischen Charakter. 

Kriegervereine

Wehrheim gehörte von 1806 bis 1866 zum Herzogtum Nassau, das in der Schlacht von Königgrätz 1866 (Preußen vs. Österreich) auf der Seite Österreichs kämpfte. Preußen gewann die Schlacht und da Nassau mit Österreich verbündet war und somit zu den Verlierern gehörte, wurde Nassau als Provinz in das Königreich Preußen eingegliedert. Schon ab 1842 bildeten sich besonders in Preußen zahlreiche sogenannte Militär-Begräbnisvereine undmilitärische Schützenbruderschaften, nachdem König Friedrich Wilhelm IV. ihrer Gründung eine gesetzliche Grundlage gegeben und ihnen besondere Rechte verliehen hatte. 

Die Kämpfe der Revolutionsjahre von 1848, danach insbesondere der Krieg in Schleswig-Holstein (Deutscher Bund vs. Dänemark 1864), gab weiteren Anlass für die Bildung von Kriegervereinen. Doch nahmen derartige Bestrebungen erst nach dem Deutschen Krieg von 1866 und dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 mit der folgenden Reichsgründung aus nationaler Euphorie in allen Teilen des Deutschen Reiches einen besonderen Aufschwung. Im Frühjahr 1873 bildete sich der Deutsche Kriegerbund, dem 1884 der Reichskriegerverband folgte und 1900 der Kyffhäuserbund .

Das Schützenwesen und somit die Schützengesellschaften erlebten nach der Reichsgründung von 1871 einen starken Rückgang. War noch das 1. Deutsche Bundesschießen in Frankfurt am Main 1862 eine machtvolle nationale Demonstration der Schützengilden mit fast 10.000 Teilnehmern gewesen, erlebte das Land durch die nationale Hochstimmung - befördert durch die Reichsgründung 1871 – eine beispiellose Gründungswelle von Kriegervereinen, wohl auch auf Kosten der Schützenvereine. Die Teilnahme der Schützen an den Bundesschießen ging von 10.000 Beteiligten in Frankfurt/M. 1862, auf 2.000 in Dresden im Jahre 1900 zurück.

So existierten um 1913 in Deutschland rund 22.000 Kriegervereine mit über 2,3 Millionen Mitgliedern. Vor diesem Hintergrund versuchte ich zu erfahren, ob Gründungen von Kriegervereinen in Wehrheim  oder umliegenden Ortschaften stattfanden.

Bei meinen Recherchen im Kreisarchiv Bad-Homburg konnte ich zunächst Hinweise (Veröffentlichung der Stiftungsfeier eines Kriegervereins im „Usinger Anzeiger“ vom 28.08.1873) auf einen Kriegerverein im Nachbarort Usingen finden.

Wehrheim betreffend, fand ich eine Anzeige im „Usinger Anzeiger“, die ein „Kriegerfest in Wehrheim zu Ehren der aus dem Felde zurückgekehrten und gefallenen Krieger“ am 10.09.1871 ankündigt. Unterzeichnet mit dem Vermerk „der Vorstand“. 

Demnach hat ein Wehrheimer Kriegerverein bereits kurz nach der Reichsgründung im Jahre 1871 existiert und ich wurde dann auch weiter fündig.

Diese Aufnahme ist aus der Zeit vor 1900 und zeigt die Mitglieder des Kriegervereins mit ihrem Banner vor dem Gasthaus „Zum Taunus“, damals noch Postagentur.

Außerdem bin ich im Kreisarchiv Bad-Homburg (Amtsblatt Usinger Anzeiger) nochmalsfündig geworden. In einer Anzeige des Gesangvereins "Sängerkranz" zu einem Sängerfest vom 6. Juli 1876, ist der "Kriegerverein Wehrheim" in der Teilnehmerliste des Festumzuges aufgeführt.

Laut Koppenhöfer soll der Verein viele Mitglieder gehabt haben. Insgesamt hat es in Hessen hunderte von Kriegervereinen gegeben, die sicherlich auch registriert wurden. Dann müsste auch der Wehrheimer irgendwo verzeichnet sein. Gefunden habe ich allerdings keinen offiziellen Hinweis. Aber es gibt noch ein Foto des Kriegervereins in der Wehrheimer Chronik von Koppenhöfer:

Es scheint in Wehrheim vom Kriegerverein keine Unterlagen oder das Banner mehr zu geben. Auch über die Aktivitäten, bis auf diejenigen in den obigen Anzeigen, ist nichts bekannt. 

Leider gab es im 19. Jahrhundert noch kein Vereinsregister, sondern in Hessen eine Verordnung vom 2. Oktober 1850 über das Vereins- und Versammlungsrecht welches dem preußischen vom 11.03.1850 glich und ab 1866 war aufgrund der politischen Ereignisse das preußische gültig. Sämtliche Veranstaltungen mussten bei der Ortspolizeibehörde angemeldet werden (das ist heute auch noch so!!!). Alte Unterlagen der Anmeldungen sind vielleicht noch in Polizeiarchiven zu finden. 

Wie das Vereinsleben im Kriegerverein ablief, entzieht sich meiner Kenntnis. Jedenfalls muss ein aktives Vereinsleben stattgefunden haben, wie man aus den Fotos schließen kann. Ob dieser Wehrheimer Kriegerverein regelmäßig Schießübungen auf dem Schießstand „Am Krausbäumchen“ durchführte, war nicht feststellbar. 

Ein Wehrheimer Schützenverein ist aber aus dem Kriegerverein nicht entstanden (wie häufig in anderen Orten).

Nach meinen Erkenntnissen und so interpretiere ich auch die Aussagen des DSB, hatten die im DSB organisierten Schützen mit den Kriegervereinen in der Regel keine Gemeinsamkeiten. 

Der DSB kommentiert dies so: „Die Schützengesellschaften und der Deutsche Schützenbund hingegen blieben zwar national gesinnt aber gemäßigt und im Großen und Ganzen politisch neutral. Eine ideologische Aufrüstung fand im Schützenwesen nicht statt“(Im Gegensatz zu den Kriegervereinen, Anm. d. Verf.)

Dieses Gesetz war die gesetzliche Grundlage für alle Vereine.

Der Deutsche Schützenbund

Der Deutsche Schützenbund (DSB) wurde im Jahre 1861 unter der Schirmherrschaft von Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg-Gotha nach einer sehr patriotischen Rede gegründet. Seit 1858 arbeiteten Schützengesellschaften in Gotha, Frankfurt am Main und Bremen an einem Zusammenschluss aller deutschen Schützen.

 

 

...Fortsetzung folgt...